Die Ranfter Gespräche – Rückblick und Referate

2018-10-06T11:58:18+00:00 29. September 2018|

Im Andenken an das Wirken des Niklaus von Flüe führen wir jährlich die «Ranfter Gespräche» durch. Niklaus von Flüe ist für viele Menschen eine inspirierende Persönlichkeit. Seine Bedeutung als Mystiker und Friedensstifter ist gerade heute wieder aktuell. Alle bedeutenden Religionen haben eine mystische Tradition. So bildet die Mystik als gemeinsame Klammer eine Plattform für den interreligiösen Dialog und erhält dadurch eine friedensfördernde Funktion.

Samstagmorgen, 22.9.2018: 4 Referate über die Frage: «Was ist Spiritualität?»

Mystische Traditionen verbinden, sie trennen nicht. Im Hinblick auf eine weltoffene Spiritualität, auf interreligiöse Aspekte in Christentum und Islam, zeigten die Referate die gewaltfreie Dimensionen des spirituell orientierten Lebens auf.

Niklaus Brantschen riss mit seinem hervorragenden Referat «Plädoyer für eine Kultur der Stille – Elemente einer weltoffenen Spiritualität» alle Anwesenden mit. «Der Friede ist bedroht, weil unser Leben daneben ist.» Sein Appell zum Verzicht und zugleich für mehr Erfüllung überzeugte. Spirituelle Praxis hat immer auch eine gesellschaftspolitische Wirkung. Das sei auch das Anliegen der «Ranfter Gespräche», das hören wir ebenfalls aus dem Weltfriedensgebet. «Welche kulturellen Werte schaffen wir?», fragt der Zen-Meister weiter. «Wir schaffen eine Konfliktlösungskultur, es bahnt sich eine Partnerschaftskultur an», so ist er überzeugt. Spirituell und weltoffen leben heisse, zu wissen, wie wir beten und meditieren können. Man müsse bereit sein, auch auf dem Weg zur Läuterung zu leiden. Stille tue Not. Die verwandelnde Kraft der Stille sei heilend: «Mehr Stille, weniger Pille», so einer seiner humorvollen Hinweise.
Niklaus Brantschen ist Schweizer Jesuit und Zen-Meister, leitete 10 Jahre des Lassalle-Hauses und war Mitgründer des Lassalle-Instituts in Schönbrunn ZG. Er schrieb zahlreiche Bücher.

 

Prof. Dr. Samuel Behloul vermittelte eine sehr überzeugende Analyse durch sein Referat: „Spiritualität im Christentum und im Islam. Eine interreligiöse Perspektive.“ Er
differenzierte die Begriffe von Religion und Spiritualität, thematisierte die Vielfältigkeit und zugleich die Gefahr der Verabsolutierung des Glaubens durch radikale Gruppierungen, die eine Form der Selbstermächtigung praktizieren. Friedensbemühungen können an den Absolutheitsansprüchen einzelner Gruppierungen scheitern. In seinen Ausführungen zeigte er mögliche Wege auf. Prof. Dr. Samuel Behloul ist seit 2016: Fachleiter Christentum am Zürcher Institut für interreligiösen Dialog, an der Universität Luzern lehrt er als Titularprofessor Religionswissenschaft.

 

Jasmina El-Sonbati plädierte für eine offene Haltung in der muslimischen Tradition. Ihre familiäre Zugehörigkeit, einem muslimischen Vater aus Ägypten und einer katholischen Österreicherin als Mutter, praktizierte schon immer eine humane Offenheit. Ihr Referat «Das inklusive Gebet – Aufruf zu einer offenen muslimischen Haltung» beschrieb eine persönliche Form von Gebet und Haltung in der Praxis, zum Beispiel in der Fastenzeit durch das Teilen der Mahlzeiten, auch in prekären Situationen, als bleibendes Zeichen echter Hingabe. Ihr Plädoyer für eine offene, moderne Haltung überzeugte ebenso wie ihr verzweifelter Appell für weitere Friedensbemühungen im Nahen Osten. Jasmina El-Sonbati ist Autorin zweier Bücher über die Situation des Islam in der Schweiz. Zudem ist sie als Journalistin und Gymnasiallehrerin tätig.

 

Peter Cunz, plädiert mit seinem Referat «Die Liebe Gottes im Islam» für die Gottesliebe, die umfassend und letztlich nicht verständlich sei. Er sei kein Vertreter des Mehrheits-Islams, sein Orden entstand im 13. Jhd. nach dem Tod des grossen Heiligen Mevlana Celaleddin Rumi (gest. 1273). Seine mystischen Gedichte und sein Lehrwerk – es sind über 60’000 Verse – hätten im Westen eine grosse Popularität erlangt. Was ist die Liebesmystik in dieser Tradition? Liebe sei Vektor der Sehnsucht. Um zu veranschaulichen, welche Art der Liebe mit der Gottessehnsucht gemeint ist, sei hier ein berühmtes Gedicht Rumis zitiert:
Höre auf die Geschichte der Rohrflöte, wie sie sich über die Trennung beklagt: „Seit ich aus dem Röhricht geschnitten wurde, hat meine Klage Mann und Frau zum Weinen gebracht. Ich suche nach einer von der Trennung zerrissenen Brust, der ich meinen Sehnsuchtsschmerz enthüllen kann. Jeder, der weit von seinem Ursprung entfernt ist, sehnt sich danach, wieder mit ihm vereint zu sein.“
Peter Cunz arbeitete als Ingenieur ETH beim Bund, leitete grössere Projekte, führt als Scheich im Sufiorden der Mevlevi eine Sufigruppe in der Schweiz an.

 

Samstagnachmittag, 22.09.2018, Podiumsgespräch und Gang in die Ranft

Am Samstagnachmittag fand unter der kundigen Leitung von Dr. Martina Bär – sie ist zurzeit Gastprofessur an der Freien Uni Berlin, 2017 war sie im Haus der Religionen als Fachperson für interreligiösen Dialog tätig – die Podiumsdiskussion statt. Zu den Referenten hinzugekommen ist Markus Amrein, der Hauptdarsteller von Niklaus von Flüe. Der umfassende Bericht von Vera Rüttimann, publiziert in kath.ch, gibt einen umfassenden Einblick in die Veranstaltung. Anschliessend an die Podiumsdiskussion fand der Gang in die Ranft statt. Die Meditation wurde von Ursula Bründler angeleitet.

 

Sonntagmorgen, 23.09.2018, Vertiefung und gemeinsame Feier
Im kleinen Kreis wurden am Sonntagmorgen die gesammelten Eindrücke ausgetauscht, danach feierten die Teilnehmenden unter der Mitleitung von Heini Baumberger, ordinierter reformierter Pfarrer, eine schlicht gestaltete Besinnung miteinander.

 

Wir bedanken uns bei folgenden Institutionen der öffentlichen Hand für Förderbeiträge und bei folgenden Firmen:

Kulturförderung Kanton Obwalden, Swisslos.
Gemeinde Sachseln
Gallati AG, Luzern
Schmid Gruppe, Ebikon
bio-familia, Sachseln
maxon motor, Sachseln
Heitzmann AG, Schachen
Elektro Kaiser, Sachseln
Bruder Klausen Stiftung, Sachseln
Kantonalbank Obwalden
VIA CORDIS
Auch besonderen Dank an alle private Gönner, die dem Projekt der alljährlich stattfindenden «Ranfter Gespräche» grosses Wohlwollen entgegenbringen.